Hier können Sie in unserem FEMICA-FORUM
mit anderen Betroffenen über ihre Erfahrungen diskutieren!
Link: http://femica.plusboard.de
Wir freuen uns sehr auf Ihre Beiträge!
ÜBERFLÜSSIGE OPERATIONEN
Deutscher Bundestag - 14. Wahlperiode - 215. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 31. Januar 2002
http://dip.bundestag.de/btp/14/213/14215213.72.pdf
Zitat ......"Frauen sind im Medizinbetrieb lukrativ, aber sie werden oft nicht vor dem Hintergrund dieser frauenspezifischen Aspekte versorgt. Sie haben andere Lebensbedingungen. All dies haben wir zum Thema gemacht. Die von uns aufgegriffenen Punkte fanden ihre Bestätigung in der Anhörung. Aber auch im Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums finden sich eine Fülle
von Hinweisen, die das bestätigen, was wir über Unter-/ Fehlversorgung und mangelhafte Qualität wussten:
100 000 überflüssige Operationen beim Brustkrebs,
35 000 überflüssige Eierstockentfernungen, darüber hinaus
ebenso unnötige Blinddarm- und Gallenblasenoperationen…….."
Deutscher Bundestag - 14. Wahlperiode - 49. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 30. Juni 1999
http://dip.bundestag.de/btp/14/041/14049041.90.pdf.
Zitat ..........."Ich frage mich, wer denn diese unwirtschaftlichen Strukturen weiterhin gutheißen will. Noch zu Ihrer Zeit, unter der Verantwortung von Herrn Seehofer, wurde eine Qualitätssicherungsstudie in Auftrag gegeben, die die Gynäkologie und die Geburtshilfe betraf. Man muß sich einmal vor Augen halten, daß jede zweite Gebärmutterentfernung und mindestens 25 Prozent der Eierstockentfernungen in Deutschland nach diesem von Seehofer in Auftrag gegebenen Qualitätssicherungsgutachten überflüssig waren. Da geht es für mich um die Frage der Menschenwürde und um die Frage der Rechtsverletzungen, die damit einhergehen. Dahinter stecken aber natürlich auch die unwirtschaftlichen Strukturen. Ich frage: Wer entzieht sich der Verantwortung, beides in Ordnung bringen zu wollen, nämlich Unwirtschaftliches zu beseitigen und gleichzeitig die Qualität so zu sichern, daß wir sie auch akzeptieren können? Ich glaube, wir müssen das Thema Qualitätssicherung in den Vordergrund stellen. Für uns muß Qualitätssicherung - das kann man im Gesetz der Koalition erkennen - gewährleisten, daß möglichst wenig Geld für Dinge verpulvert wird, die der Heilkunst nichts nutzen. Wir müssen das Geld so effizient wie möglich einsetzen.
Dazu brauchen wir in diesem Gesetz eine Qualitätssicherung, die einen zentralen Charakter hat und diese doppelte Aufgabe wahrnimmt. Ich denke, das ist der entscheidende Punkt, den wir umsetzen. Wir werden es nicht zulassen, daß 70 Millionen Kassenpatienten in eine Situation hineingezogen werden, welche die Qualitätssicherung vernachlässigt.
Das ist nichts anderes als versuchte Geiselnahme.".....
Antwort der BQS zum Thema unnütze Operationen im Unterleib der Frau:
Die BQS ist für die Qualitätssicherung der Krankenhäuser zuständig. Für das Qualitätssicherungsverfahren "Gynäkologische Operationen" http://www.bqs-online.com/public/leistungen/exqual/lbs/2007/qzordner/15n1 sind 9 Qualitätsindikatoren definiert. Aufgrund der Relevanz der Indikationsstellung zu Hysterektomien und Ovarentfernungen werden zu diesem Themenfeld zwei Qualitätsindikatoren eingesetzt. Die BQS-Fachgruppe Gynäkologie hält diese Indikatoren auch unter Berücksichtigung der psychosozialen Folgen für hoch relevant und verfolgt das klare Ziel, überflüssige Eingriffe zu vermeiden. Die Ergebnisse dieser Indikatoren werden kritisch diskutiert
http://www.bqs-qualitaetsreport.de/2006/ergebnisse/leistungsbereiche/gyn_op/ergebnisse/qi3_html.
Krankenhäuser, die auffällige Ergebnisse aufweisen, werden in einem Gespräch unter Experten gebeten, die Krankenhausergebnisse zu erläutern. Ggf. werden Maßnahmen vereinbart, um die Qualität der Indikationsstellung zu verbessern.
BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH
Kanzlerstraße 4
D-40472 Düsseldorf
Ärzte Zeitung, 20.04.2007
Hysterektomien - bevorzugen Ärzte den Bauchschnitt?
Sozialministerium in Baden-Württemberg weist Vorwürfe von Politikern zurück / "Eingriffen geht eine strenge Indikationsstellung voraus"
STUTTGART (mm). Überlegungen, dass Krankenhäuser, die keine minimalinvasive Hysterektomie machen können, den Patientinnen überproportional häufig zu einem Eingriff über den Bauchschnitt raten, hat das baden-württembergische Sozialministerium zurückgewiesen.
Es gebe keine Daten, die solche Vermutungen bestätigen würden, reagierte Ministerialdirektor Thomas Halder auf einen Antrag der CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Carmina Brenner und anderer Kollegen. Diese hatten zu bedenken gegeben, dass in anderen Ländern weniger Hysterektomien vorgenommen würden als in Deutschland. Bei einem Bauchschnitt würden zudem häufig präventiv die Ovarien entfernt.
"Es bleibt grundsätzlich der individuellen Abwägung der einzelnen Frau vorbehalten, sich nach entsprechender, gründlicher und objektiver Aufklärung durch den behandelnden Facharzt für oder gegen eine prophylaktische Ovarektomie im Rahmen einer Hysterektomie zu entscheiden", so Halder.
Die Landesärztekammer Baden-Württemberg gehe aber davon aus, dass der Entscheidung, ob eine Hysterektomie durch Bauchschnitt oder durch einen minimalinvasiven Eingriff durchgeführt wird, jeweils eine strenge medizinische Indikationsstellung zugrunde liegt.
So ließen zum Beispiel starke Verwachsungen einen minimalinvasiven Eingriff zum Risiko für die Patientinnen werden. Eine exemplarische Anfrage bei der Gutachterkommission für Fragen ärztlicher Haftpflicht bei der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg hätte zudem ergeben, dass bisher keine Fälle begutachtet werden mussten, die eine Hysterektomie zum Gegenstand hatten. Über Urteile und Gerichtsverfahren sei nichts bekannt.
14 772 Hysterektomien wurden im Jahr 2005 in Baden-Württemberg vorgenommen, informierte das Ministerium an Hand der Daten nach Paragraf 21 Krankenhausentgeltgesetz. Fälle, in denen die Gebärmutter wegen eines bösartigen Tumors entfernt werden musste, seien in dieser Zahl nicht enthalten. Da die Daten nicht nach dem operativen Verfahren (abdominaler, vaginaler, laparoskopischer Zugang oder laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie) aufgegliedert werden können, sei eine Aussage zum Anteil der minimalinvasiven Eingriffe und der örtlichen Verteilung in Baden-Württemberg jedoch nicht möglich, so Halder.
http://www.aerztezeitung.de/suchen/?sid=446418&query=verwachsungen
ACHTUNG BEI OPERATIONEN AN DEN EIERSTÖCKEN
Qualitätsindikationen der Qualitätssicherungsstelle zur Vermeidung von unnötigen OvareingriffenDeutschlands
Bewertung
Operative Eingriffe an den Eierstöcken bergen unabhängig vom operativen Zugang das Risiko zum Beispiel von Organverletzungen oder postoperativen Wundinfektionen. Diese sind verbunden mit einer hohen physischen und psychischen Belastung und verursachen darüber hinaus zusätzliche Kosten. Deshalb bedürfen sie einer sorgfältigen Indikation. Klinisch und sonographisch entdeckte einfache Zysten entsprechen meistens Funktionszysten und rechtfertigen nur in Ausnahmefällen ein operatives Vorgehen. Nicht in allen Fällen gelingt allerdings eine zuverlässige Einschätzung der Natur des Adnexbefundes, so dass eine operative Klärung notwendig werden kann. In den Fällen, in denen postoperativ kein pathologischer histologischer Befund vorliegt oder in denen kein Gewebe untersucht wurde, muss die Indikation zur Operation besonders kritisch hinterfragt werden.
Qualitätsindikationen der Qualitätssicherungsstelle Deutschlands zur Vermeidung von unnötigen Ovareingriffen
Zu dem Indikator „Indikation bei Ovareingriffen“ wurden zwei Kennzahlen ausgewertet und kommentiert:
In der Gruppe der Patientinnen mit vollständiger Entfernung des Ovars oder der Adnexe als führendem Eingriff wurde in 24,99% entweder kein Befund dokumentiert, oder aber der histologische Befund lautete „Follikel- bzw. Corpus-luteum-Zyste“ bzw. „fehlende Organpathologie“. Die Spannweite zwischen den Krankenhausergebnissen lag bei 0,0 bis 75,0%. Da es keinen wissenschaftlich fundierten Referenzbereich gibt, hat ihn die Fachgruppe unterhalb des Medians festgelegt. Dieser liegt für den BQS-Bundesdatenpool 2004 bei 23,8%. Die Spannweite zwischen den Krankenhausergebnissen zeigt, dass es offensichtlich zahlreichen Krankenhäusern gelingt, Eingriffe bei Funktionszysten auf ein Minimum zu reduzieren. Andererseits aber scheinen bei einzelnen Krankenhäusern Adnexeingriffe unkritisch indiziert zu werden mit der Folge einer Über- und Fehlversorgung. Möglicherweise kann hier eine gezieltere Indikationsabstimmung zwischen ambulantem und stationärem Sektor zu einer Verbesserung führen.
Im Vergleich zum Jahr 2003 sind die Ergebnisse für diese Kennzahl nur geringfügig günstiger (26,58%). Ob sich hier tatsächlich ein positiver Trend abzeichnet, werden die Ergebnisse der folgenden Jahre zeigen.
Da ein histologischer Befund bei Gewebeentnahmen am Ovar zwingend erforderlich ist, hat die Fachgruppe einen Referenzwert von 0 Fällen für die Kennzahl „fehlende postoperative Histologie“ festgelegt. In der Gruppe aller Patientinnen mit isoliertem Ovareingriff fehlte in 2.639 Datensätzen die Angabe eines histologischen Befundes. Nur 225 von 781 Krankenhäusern hatten für 100% der Fälle einen histologischen Befund dokumentiert. Es muss unbedingt im Strukturierten Dialog geklärt werden, ob es sich bei den fehlenden histologischen Befunden tatsächlich um fehlende Befunde oder um eine lückenhafte Dokumentation des Eingriffs handelt.
http://bqs-qualitaetsindikatoren.de
Zu viele unnötige Organentfernungen bei FRauen
Allerdings zeigen vorliegende Daten große Unterschiede zwischen Kliniken sowohl in der Anwendungshäufigkeit als auch in der Radikalität (organerhaltend,organentfernend) laparoskopischer Operationsverfahren[34]. Bezüglich der Durchführung von
Bauchspiegelungen wird ein vorsichtiger Einsatz, z. B. beim Umgang mit Zysten, angemahnt und die Erstellung von Leitlinien gefordert [35]. Studien hierzu fehlen jedoch. Seit den 1990er Jahren hat es immer wieder Kritik an der Häufigkeit von Gebärmutterentfernungen gegeben. Davon zu unterscheiden ist die Frage nach den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Verfahren einer Entfernung der Gebärmutter.Im Jahr 2002 wurden in Deutschland 88.700 Hysterektomien dokumentiert. Insbesondere die Zahl von Hysterektomien bei Patientinnen unter 35 Jahren mit benigner (d. h. gutartiger) Erkrankung wird seit Jahren als zu hoch bewertet.16 den letzten Jahren scheint es eine Entwicklung ahingehend zu geben, dass später und evtl.
auch seltener eine Gebärmutterentfernung erfolgt 11]. Dies wird auf verschiedene Faktoren zurückgeführt: um Beispiel die Entwicklung organschonender Operationsverfahren, das gestiegene Bewusstsein der Bedeutung der Gebärmutter für Frauen über die reine Reproduktionsfunktion hinaus und die zunehmende Bedeutung von Qualitätssicherung in der Gynäkologie.17 Sollte eine Gebärmutterentfernung notwendig werden, erfahren derzeit Operationsformen,bei denen der Gebärmutterhals erhalten bleibt, erneut Interesse, da möglicherweise weniger unerwünschte Folgen, 15 Vgl. ausführlich in Abschnitt Kosten
16 Im Jahr 2002 wurden 2.322 und im Jahr 2003 2.482 Hysterektomien bei Frauen unter 35 Jahren mit gutartiger Grunderkrankung dokumentiert.
17 Vgl. dazu Abschnitt Ressourcen in diesem Bericht Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Heft 37 27 wie eine Senkung der Blase und des Darmes oder Störungen der Empfindungsfähigkeit,zu erwarten sind. Internationale Studien zeigen, dass seltener und organschonender operiert wird, wenn Leitlinien bzw. Standards vorhanden sind [30, 31] bzw. wenn im Rahmen der gynäkologischen Versorgung eine systematische und ausführliche Information der Patientinnen, z. B. über Behandlungsalternativen, erfolgt [29, 32]. In Deutschland wurden Behandlungsstandards bzw. Leitlinien für Hysterektomien bislang weitgehend abgelehnt, da
»... die Indikationsstellung (...) individuell und nach Meinung der Fachgesellschaft nicht zu definieren (ist)« [33, 129] und entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen über die Einflussfaktoren gynäkologischer Operationen nicht durchgeführt wurden. Gefordert wird die Diskussion um die Indikationsstellung zur Hysterektomie unter Aspekten der Qualitätssicherung,
der Gesundheitsökonomie und der Ethik neu aufzunehmen.
http://www.glaxosmithkline.de/docs-pdf/patienten/PB704/6.1-GBE-Heft-Gebaermutter.pdf
Die Beutelschneider
Chirurgen in der Kritik
Von Markus C. Schulte von Drach
Klar, es gibt schwarze Schafe unter den Medizinern. Aber das Abkassieren durch "Nonsens-Operationen" hat System, sagt eine SWR-Reportage.
Wer mit Beschwerden zum Arzt geht, hofft auf Linderung seiner Leiden. Doch mancher erlebt eine böse Überraschung: Nicht nur, dass in Deutschland regelmäßig teure, aber sinnlose Operationen stattfinden - immer wieder führt die überflüssige Behandlung sogar zu noch größeren Problemen.
Gern würde man diese Behauptung ins Reich der Verschwörungstheorien verweisen. Doch wie die "betrifft"-Reportage "Sinnlose Operationen - Abkassieren per Skalpell" des Fernsehjournalisten Frank Wittig im SWR am Montag belegen konnte, sind Patienten diesem Risiko tatsächlich ausgesetzt. Denn Medizin ist ein Geschäft, sagt Wittig. Es geht um Milliarden, nicht um das Werk von Menschenfreunden.
Deshalb ist es auch eine Illusion zu glauben, neue Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien würden im medizinischen Alltag schnell umgesetzt. Ein Beispiel ist die Behandlung der Kniegelenke bei Schmerzen. Allein in Deutschland kommt es jährlich bei etwa 70.000 Patienten zu einer sogenannten arthroskopischen Chirurgie, bei der Knorpel im Knie geglättet wird. 150 Millionen Euro werden durch dieses Standardverfahren umgesetzt, berichtet Wittig.
Dabei hatte der amerikanische Chirurg J. Bruce Moseley bereits 2002 eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass Patienten, die auf diese Weise operiert wurden, nach zwei Jahren noch genauso viel oder wenig Beschwerden haben wie jene, bei denen lediglich eine Scheinoperation vorgenommen worden war.
Und es kommt noch schlimmer: Die Behandlung ist nicht ohne Risiko, wie der Fall Bernhard L. zeigt. Der 55-jährige Unternehmer war nach dem Skiurlaub mit einem geschwollenen Knie zum Orthopäden gegangen, der Knorpelschäden diagnostizierte. Nach einem 17.000 Euro teuren Eingriff in einer Münchner Spezialklinik sollte der Patient bald wieder beschwerdefrei laufen können. Sieben Monate später humpelt der Mann noch immer. Es mehren sich die Hinweise auf einen Behandlungsfehler. So wurde deutlich zu viel Knorpel weggefräst. Und ob, wie von den Chirurgen versprochen, neues Gewebe entsteht, ist fraglich.
"Hightech-Schamanismus"
Haben wir es demnach bei diesem Eingriff mit "Hightech-Schamanismus" zu tun, wie Wittig kritisiert? Ist die chirurgische Arthroskopie eine "Nonsens-Operation mit gewissem Placebo-Effekt"?
Mediziner, für die solche Operationen zum Alltag gehören, zeigen sich natürlich davon überzeugt, dass die Moseley-Studie nicht bedeutet, "alle Arthroskopien bei älteren Patienten mit Schmerzen im Kniegelenk seien überflüssig und sinnlos", erklärt etwa Martin Engelhardt von der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft.
Warum aber taucht dann die Moseley-Studie nicht wenigstens in den Leitlinien der Gesellschaft auf? Schließlich, so erklärt Gerd Antes vom Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg, müssten die Fachgesellschaften sich darum kümmern, dass neue Erkenntnisse in der Versorgung der Patienten angewendet werden.
Tatsächlich beziehen sich die Leitlinien der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft derzeit auf Studien, von denen keine jünger als 15 Jahre ist. Der Vorstand habe aber inzwischen in Auftrag gegeben, das Dokument zu überarbeiten, erklärt Chirurg Engelhardt.
Das ist zu begrüßen. Doch es "drängt sich der Verdacht auf, dass solche Studien (wie die Moseley-Studie) bewusst ignoriert werden, weil sie das, was Tagesgeschäft ist, in Frage stellen", sagt Antes. "Der nächste Verdacht ist, dass es um finanzielle Aspekte geht."
Das hat sich Wittig vom SPD-Parlamentarier Karl Lauterbach bestätigen lassen. Es gibt im Falle der Knorpelglättung im Knie eine Überversorgung, genau wie zum Beispiel auch bei Augenoperationen, sagt der Gesundheitsökonom. Aber Überversorgung bedeutet Umsatz - und der ist von Ärzten und Krankenhausgesellschaften schließlich erwünscht.
140.000 Gebärmutterentfernungen jährlich
Das spiegelt sich offenbar auch in der Behandlung gutartiger Tumoren an der Gebärmutter wieder. Bei jährlich etwa 140.000 Frauen in Deutschland wird aufgrund dieser Diagnose die Gebärmutter entfernt - darunter nicht selten Patientinnen unter 35 Jahre. Der Eingriff, so weiß man beim Frauengesundheitszentrum in Berlin, wird von Ärzten - vor allem von Männern - standardmäßig empfohlen. Dabei gibt es Alternativen. Zum Beispiel vorerst nichts tun. Denn die meisten dieser gutartigen Myome sind bei der Entdeckung ungefährlich, und viele bleiben es auch. Doch die Operation bringt Geld: Auf etwa 600 Millionen Euro wird der Umsatz jährlich geschätzt.
Skeptiker könnten versuchen, die dramatischen Beispiele von Nonsens-Operationen, die Frank Wittig in seiner Reportage beschrieben hat, als Einzelfälle oder die Verfehlungen von schwarzen Schafen unter den Ärzten abzutun.
Und tatsächlich rettet die moderne Medizin Leben, wo Patienten noch vor zwanzig Jahren von chronischen Leiden und dem Tod bedroht waren, wie Wittig selbst zu Recht betont.
Doch wenn es besonders lukrativ ist, das Skalpell zu schwingen, wenn die Fachgesellschaften ihre Leitlinien vor allem im Interesse ihrer Mitglieder verfassen, braucht man sich nicht zu wundern, dass viele Ärzte sich eher für als gegen die Empfehlung eines Eingriffs entscheiden.
Und solange Patienten nicht ausreichend darüber aufgeklärt werden, welche teure Hightech-Therapie wann tatsächlich angebracht ist, bleiben dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Bleibt zu hoffen, das Beiträge wie "Sinnlose Operationen - Abkassieren per Skalpell" wenigstens einige Augen öffnen.
(sueddeutsche.de/pak)
http://www.sueddeutsche.de/wissen/383/436129/text/
Schon 1977 wusste man vom Missbrauch an Frauen durch unnötige Operationen, doch wer hat dem Einhalt geboten? ....
(Studio) House committee will begin hearings next week on issue that is difficult, but urgent: major surgery, especially on women, that isn't needed. Person is somewhat helpless, when physician recommends surgery.
REPORTER: David Brinkley
(New York City) Many women who undergo hysterectomies don't really need them. Physician, who asks to remain anonymous because he fears reprisals from other doctors, says half of all hysterectomies are unnecessary. [PHYSICIAN - notes in 1 of 2 women, operation not only unnecessary, but also unwanted.] Reasons, legitimate and otherwise, for removal of uterus, noted. [PHYSICIAN - cites nonmed. reasons doctors advise such surgery.] Cancer is reason for only 20% of hysterectomies. Possible side effects of hysterectomies noted. Lois Schaffer and Trudi Hill claim to be victims of unnecessary surgery. [HILL - notes hormone therapy prescribed by doctors didn't help; says doctors told her she'd feel better after operation.] [SCHAFFER - says doctor told her reason he removed healthy ovaries was so she'd never get cancer there, notes own 1st thought then was to ask why he didn't remove other parts of body.] Authorities say large number of such operations are performed on disadvantaged and minority women, who are less likely to question procedure. Case of woman who had operation at age 16, while growing up in Virginia, noted; years later, she found it was stomach disorder she'd had. [WOMAN - is angry. Says it pays to see another doctor and to not have operation so young, and be as unhappy as she's been.] Many physicians say these charges are unfair and there are no statistics to support them. [Dr. Alvin SIEGLER - says most operations are to remove diseased organ or prevent diseased organ. Calls charges inflammatory.] There is evidence in Canada's Saskatchewan prov.; details noted. [Study chairperson Dr. Frank DYCK - says study showed large number of hysterectomies performed in prov. were unnecessary; notes that as result of study and publicity it got, number is back down to 1964 level.] Surgeon, who asks anonymity, says patient must monitor necessity for operation. [SURGEON - wants patient to be aware that no one is watching doctors and patient must activate doctor's conscience.] Patient can, at very least, see another physician in such cases.
REPORTER: Betty Rollin
http://openweb.tvnews.vanderbilt.edu/1977-9/1977-09-28-NBC-12.html

