Femica

Brustkrebsrisiko bei Absetzen der Hormonbehandlung der Menopause
von Henri Rozenbaum (Februar 2009)

http://www.menopauseafem.com/medical/index.html


Im Jahr 2002 zeigte die nunmehr berühmte Veröffentlichung der WHI Studie (1) eine leichte Erhöhung des Brustkrebsrisiko: HR = 1,26 (I.C. à 95 % : 1-1,59) bei konjugierten Östrogenen und kontinuierlicher MPA.                                                                                                                         2006 haben hingegen die Ergebnisse der WHI Studie bezüglich des alleinigen Östrogenarms keinen Anstieg des Brustkrebsrisikos gezeigt, sogar eine Tendenz zu seiner Verringerung (2).                   2008 hat eine neue Veröffentlichung (3) das Bestehen eines erhöhten Brustkrebsrisikos während der 3 Folgejahre nach Absetzen der Verbindung konjugierte Östrogene - MPA: RR = 1,27 (I.C. à 95 % : 0,91-1,78) gezeigt, aber dieses war statistisch nicht signifikant, das Konfidenzintervall einschließlich der Ziffer 1. Diese Resultate widersprechen einigen Studien, die eine rasch auftretende Verringerung des Brustkrebsrisikos bei den Frauen zeigen, die eine HRT unterbrochen haben.                                                                                                               Im Februar 2009 schließt eine neue Publikation bezüglich Brustkrebsrisikos nach Absetzen des Arms Estro-Progestatife der Studie WHI (4) auf eine Verringerung der beobachteten Krebsfälle bei den Frauen, die ihre Hormonersatztherapie (HRT) beendet hatten, aber diese Verringerung bezog sich auch auf die Anzahl der beobachteten Fälle unter Placebo, was die Autoren nicht anführen. So waren die relativen Risiken ausgedrückt durch die hasard ratio bei 1,2 im ersten Jahr nach Absetzen der Therapie, 1,43 im zweiten Jahr, 1,19 im dritten, keine dieser angeführten Zahlen ist hier statistisch signifikant. Die Autoren schließen auf eine Verringerung der während der Studie beobachteten Erhöhung des Brustkrebsrisikos, aber sie wundern sich offensichtlich weder über den Begleitumstand der Brustkrebsfälle unter Placebo noch über die Verringerung des Prozentsatzes bei den Frauen die eine Mammographie gemacht haben, in der Reihenfolge von 10 bis 14 nach den veröffentlichten Zahlen in einer ihrer Tabellen, während sie nicht zögern in ihrer Schlussfolgerung ihres Artikels zu behaupten, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Verringerung der beobachteten Brustkrebsfälle und der Mammographiefrequenz gibt, die ungefähr gleich wie in den USA sei!                                                                                                                                        Wenn man eine leichte Erhöhung des Brustkrebsrisikos, einem Phänomen, das schon durch andere Studien aufgezeigt wurde, annimmt, welche durch bestimmte Arten der Behandlung induziert ist, in erster Linie derjenigen der kontinuierten Gabe von konjugierten Östrogen und MPA,  so spricht das für einen Urhebereffekt und nicht für einen Auslöser. Das ist das, was diese neue Publikation  verdeutlicht.  Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang, dass die Studie E3N (5), in einem Abstand von 8 Jahren, keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos mit den Behandlungen in Verbindung mit mikronisiertem Progesteron oder Dydrogesteron mit Östrogenen gezeigt hat. Eine ganz neue, finnländische Kohortenstudie (6), die im Jänner 2009

veröffentlicht wurde, hat die Nichterhöhung des Brustkrebsrisikos mit Dydrogeron bestätigt; sie findet außerdem wieder eine Erhöhung des Risikos vergleichbar mit der der WHI mit den anderen Progestinen, die in Finnland Anwendung finden, hauptsächlich MPA Norestisteronazetat.                                                                                                      Abschließend: gewisse Hormontherapien und vor allem  die Verbindung konjugierte Östrogene-MPA erhöhen leicht das Brustkrebsrisiko, was wir schon seit der Metaanalyse von Lancet, veröffentlicht im Jahr 1997  (Lancet 1997 ;350,1047-1059), wussten.                          Aber man muss das relativ rasche Verschwinden dieser Risikoerhöhung in Verbindung mit einem Urhebereffekt durch Vorerkrankungen (lésions préexistantes) betonen und nicht den Auslösereffet. Es ist auch wichtig die optimistischen Resultate der E3N Studie bekannt zu machen, die von der neuen finnländischen Studie bestätigt wurde, und endgültig damit aufzuhören, alle Moleküle und alle Arten von  hormonellen Behandlungen der Menopause in einen Topf zu werfen.                                                                                                 

 

BIBLIOGRAPHIE


1. WRITING GROUP FOR THE WOMEN'S HEALTH INITIATIVE INVESTIGATORS
Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women : principal results from the women's health initiative randomized controlled trial.
JAMA, 2002 ; 288 : 321-333.

2. STEFANICK M.L., ANDERSON G.L., MARGOLIS K.L. ET COLL.
Effects of conjugated equine estrogens on breast cancer and mamography screening in postmenopausal women with hysterectomy
JAMA 2006 ; 295 : 1647-57

3. HEISS G., WALLACE R., ANDERSON G. L. ET COLL. FOR THE WHI INVESTIGATIONS
Health risks and benefits 3 years after stopping randomized treatment with estrogen and progestin
JAMA 2008 ; 299 : 1036-45

4. CHLEBOWSKI R.T., KULLER L.H., PRENTICE R.L. ET COLL.
Breast cancer after use of estrogen plus progestin in postmenopausal women
N. Engl. J. Med. 2009 ; 360 : 573-87

5. FOURNIER A., BERRINO F., CLAVEL-CHAPELON F.
Unequal risks for breast cancer associated with different hormone replacement therapies : results from the E3N cohort study
Breast Cancer Res. treat. 2008 ; 107 : 1003-11

6. LYYTINEN H., PUKKALA E., YLIKOKALA O.
Breast cancer risk in post menopausal women using estradio-progesterone therapy
Obstet. Grnecol. 2009 ; 113 : 65-73