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Sexologos  n° 30
Fevrier   2008 

Elisabeth GALIMARD-MAISONNEUVE

Publications
http://www.sfscsexo.com/publi/puz3000.htm

 

 

Übersetzung des Fachartikels vom Februar 2008 aus dem Französischen mit freundlicher Genehmigung von Dr. Elisabeth Galimard-Maisonneuve

 

Gebärmutterentfernung - Dekonstruktion- "Über den Körper hinaus"


Wenn man auch oft Frauen begegnet, die mit der Gebärmutterentfernung zufrieden sind, weil sie sie von einschränkenden körperlichen Beschwerden befreit hat, gibt es auch jene, die in einem üblen Zustand stecken bleiben, der das ursprüngliche Ziel des Eingriffs belastet. Um diesen Frauen zu helfen, ist es wichtig die Frage, was die Gebärmutterentfernung mit oder ohne Ovarektomie - "über den Körper hinaus" - mit sich bringt, zu bedenken.
Ich werde hier nicht auf die zusätzliche dramatische Auswirkung eingehen, wenn für diese Indikation ein Krebs die Ursache war.
An der Grenze zwischen Leben und Tod, von der Symbolik zur Wirklichkeit, sind Gebärmutter und Eierstöcke Organe von sehr großer Bedeutung.
Worin besteht das Risiko einer Dekonstruktion "über den Körper hinaus"? Um den Determinismus jeden einzelnen Bausteins besser zu evaluieren, wurde letztendlich das Mosaik, auf die Identität bezogen, beleuchtet.

 

II- Dekonstruktion, was steckt dahinter: "über den Körper hinaus"?

 

Eine mögliche Trauer über den Verlust am Körper? Ein möglicher Verlust von Empfindungen.

 

Beim Erleben dieser Verluste geht es um die Funktion der ehemaligen körperlichen Wahrnehmungen und des sexuellen Lebens jeder Frau. Das Erkennen dieser ist leider selten. Diese können folgende sein:

 

- Verlust der Kontraktionen des Uterus (während der Erregung, des Verlangens oder des Orgasmus)


- Verlust der sensorischen Stimuli durch Strecken der uterosakralen Bänder (Bänder der Gebärmutter) - manche Ärzte verbinden diese Bänder am Stumpf des  Gebärmutterhalses um diese Empfindungen zu erhalten.

 
- Verlust der vollständigen Vergrößerung (Ballonisation)

der Vagina durch das Narbengewebe

 
- Verlust der subjektiven Wahrnehmung der sekundären Erregung auf Grund von Verletzung des Nerves Plexus hypogastricus inferior, angeschlossen am Gebärmutterhals (die gleichwertigen kavernösen Nerven beim Mann, die bei einer
Prostataentfernung beschädigt werden)

 
- das mögliche Auftreten einer "natürlichen" Menopause durch die Gebärmutterentfernung. Diese wird durch die fortschreitende Minderdurchblutung der Eierstöcke hervorgerufen. In zweiter Linie bei einer Eileiterunterbindung durch Rückgang der Östrogene bei 3 von 7 Frauen.


Eine endokrine Funktion der Gebärmutter zum Eierstock ist ebenfalls zu bedenken.

 

Ovarektomie bei Frauen vor der Menopause bewirkt eine hormonell-funktionale Trauer:

 

Das brutale Ausbleiben von Östrogenen (E2) und Testosteron (Te) amputiert die Sexualität von seinem biologisch hormonellen Determinismus.

Das Ausbleiben von E2 kann eine Verminderung der Lebensqualität durch Hitzewallungen, Schlafstörungen und Störungen der Gemütsverfassung, durch Polyarthralgien, durch vaginale Trockenheit, durch den Rückgang der sexuellen Empfindungen, durch urogenitale Probleme, durch Hauttrockenheit bewirken und mit Energieverlust und androider Gewichtszunahme einhergehen, die als Stigmata des Alterns erlebt werden.

Der brutale Sturz des Testosteron von 50% bringt eine Kraftlosigkeit mit sich, einen Rückgang des sexuellen Verlangens bei 30 bis 50% der Frauen, mit einem Leidendruck in einem Drittel der Fälle. Die phantasmatische Aktivität ist gestört mit Fantasmen, die weniger aktiv sind, weniger spontan, weniger wirksam.

Die Ovarektomie bringt signifikant mehr Depressionen mit sich, mehr Angstzustände und Unwohlbefinden, aber es scheint dass die negative Auswirkung sich in 2 Jahren mildern würde.

Die Brutalität des Rückgangs von E2 und Te spielt sicherlich eine Rolle in der schlechten Toleranz und der Schwierigkeit für den Organismus sich an diese Karenz zu gewöhnen. Die Studien finden wieder mehr Leid wegen der Fruchtbarkeit: 13% gegenüber 5% und 43% gegenüber 21% in 3 Jahren.

Die Ovarektomie bringt deutlich mehr Rückgang an sexueller Lust, an negativen Empfindungen (ich enttäuschte meinen Partner (90%), ich fühlte mich unglücklich (80%), weniger weiblich (55%), gedemütigt (39%) etc. (n= 119) und die Veränderung der Sexualität (signifikanter Rückgang der Befriedigung in den 7 Bereichen des „Profils der weiblichen Sexualfunktion“): Begehren, Exaltation, Lustempfinden, Aktionsfähigkeit, Besorgtheit, Orgasmus, Selbstbildnis).

Die Auswirkung des Rückganges der Lust als Effekt der Ovarektomie ist deutlich häufiger bei den Frauen zwischen 20 und 49 Jahren (+13%) im Vergleich zu Frauen, die schon in der Menopause sind (+4%) mit doppelt hohem Leidensdruck, der mit dem Rückgang des Lust einhergeht (HSDD): 53% gegenüber 26% bei den Frauen zwischen 50 und 70 Jahren. Der Rückgang von 50% des Testosterons zwischen 20 bis 45 Jahren bei jeder Frau erklärt wahrscheinlich die geringere Auswirkung der Ovarektomie auf die Lust von Frauen zwischen 50 und 70 Jahren.

 

Eine symbolische Trauer
Trauer um die Regelblutung
Trauer um die Mutterschaft
Trauer um die Weiblichkeit und um die Sexualität
Eine existentielle Trauer
Trauer um das Körperbild im Innersten der Weiblichkeit und der Sexualität

 

Schlussfolgerung
Es geht nicht darum die Hysterektomie zu verteufeln mit oder ohne Ovarektomie, weil viele Frauen zufrieden und gewisse Indikationen unabwendbar sind; aber es geht darum eine bessere Behandlung von Frauen mit Risiko zur Dekompensation zu gewährleisten, die Ressourcen zu bereichern „über den Körper hinaus“, für Frauen, die im Unwohlsein nach dem Eingriff stecken bleiben, sie zu ermutigen, die Beweggründe für nichtchirurgische Alternativen zu erlauben, ebenso wie eine ethische und existentielle Reflexion ( begleitende Ovarektomie: systematisch: ja oder nein? Uterines Lustempfinden: Mythos oder Realität?)

Um zum interaktiven Zuhören anzuregen ohne darüber die Zwischenräume der Wahrnehmung zu verlieren und anzufüllen, stellen diese Überlegungen Teile des Puzzles einer Trauer dar, die vom Körper ausgeht , ihn durchdringt bis „darüber hinaus“, und dabei auf soziale Hindernisse und medizinische Abdrücke, Mythen und Stereotypen trifft, die das Weibliche dieser psychischen Fatalität „verdrehen“, das genährt wird vom Schweigen sexueller Belange und vom Bewusstsein einer sexuellen Fähigkeit, solange das „Empfangen“ möglich ist.
Obwohl sie auf die Dekonstruktion abzielen, wollen alle diese Überlegungen natürlich konstruktiv sein, um gegebenenfalls, weniger allgemeine medizinische Praktiken ermöglichen und aufmerksamer den Teilen des Körpers Respekt zu zollen, die ihren Part in der Sexualität und im Leben spielen.
Im Fall eines unabwendbaren Verlustes wird die bessere Anerkennung der Sexualität der Frau und der Trauerformen eine bessere Betreuung ermöglichen, um ihr zu helfen aus ihren Ressourcen zu schöpfen und um die Wege einer neuen Sexualität, die an die Realität angepasst ist, zu beschreiten.

 

Sexologos n° 30
Fevrier 2008 Elisabeth
GALIMARD-MAISONNEUVE
Publications
http://www.sfscsexo.com/publi/puz3000.htm

 

 

 

Der Uterus - das unterschätzte Organ
Was Frauen verlieren, wenn ihre Gebärmutter entfernt wird


Ohne Gebärmutter fühlen sich viele Frauen nicht mehr als Frau. Tiefe Trauer, sogar Depressionen sind mögliche Folgen. Hinzu können Inkontinenz, sexuelle Unlust oder eine vorzeitige Menopause kommen.

 

Buchtipps:

Gebärmutter. Das überflüssige Organ? Barbara Ehret-Wagener (Autor), Irene Stratenwerth (Autor), Karin Richter (Autor) 
Frauen, Körper, Gesundheit, Leben - Das große Brigitte-Buch der Frauenheilkunde, Dr. Barbara Ehret, Dr. Mirjam Roepke-Buncsak, Diana-Verlag 2008

 

 

Publications >> La Lettre du Gynécologue >> N° 249 - Février 2000

Borten-Krivine I.

 ".....Hysterektomie

Bei der erwachsenen Frau nimmt eine Kastration, was die Hysterektomie auch strenggenommen ist, dieses innere Organ, das einfach immer präsent war. Der Uterus, gibt Frauen durch die Mutterschaft die Fähigkeit auf der narzistischen Ebene durch ihre Kinder bereichert zu werden: reale Kinder, imaginäre Kinder. Die Hysterektomie, das ist der brutale Verlust dieses Kapitals. Der Verlust dieses Organs, das höchste Symbolkraft hat, geht nicht ohne psychische Trauer einher. Durch den Verlust auf der narzistischen Ebene, bedeutet die Hysterektomie somit einen brutalen Befehl, die Mutterschaft von der Weiblichkeit zu trennen. Daher wird sie auch als "die Totale" bezeichnet. ....                                                                                                                                                                                                                                                             "Chez la femme adulte, la castration que représente l’hystérectomie lui enlève cet organe interne, qui fut bien là. L’utérus, par la maternité, donne aux femmes la capacité d’être enrichies narcissiquement par leurs enfants : enfants réels, enfants imaginaires. L’hystérectomie, c’est la perte brutale de ce capital-là. La perte de cet organe chargé de représentations symboliques majeures ne se fait pas sans un deuil psychique. Perte au niveau narcissique, l’hystérectomie est une injonction brutale à séparer le maternel du féminin. Or, elle est nommée“la totale”.

 

 

http://www.edimark.fr/publications/articles/chirurgie-gynecologique-et-psyche/714