Femica
FEMICA FORUM
 
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ERFAHRUNGEN

 

Ich über mich ...

 

Meine Unterleibsgeschichte beginnt damit, dass ich immer schon eine sehr starke und lange Regelblutung hatte und das hat sich nach den Geburten der Kinder noch gesteigert. Dazu kam nach der zweiten Geburt eine starke Gebärmuttersenkung und eine Inkontinenz. Ständig war ich auf der Suche nach einem Klo, hab ich in kurzer Zeit keines gefunden, ging es in die Hose.
Das hat mich immer wieder in Panik versetzt, und ich wollte es natürlich vermeiden, aber es ging nicht. Dieser Zustand wurde immer unerträglicher, ich bekam bei 3 Wochen Blutungen im Monat gekoppelt mit der Inkontinenz immer größere Aggressionen auf meinen Körper. Diesen Zustand wollte ich ändern.


1984 (ich war 33) haben mir die Ärzte vorgeschlagen - da kein weiterer Kinderwunsch mehr bestand - die Gebärmutter zu entfernen und die Blase zu heben.  Ich stimmte freudig zu. Endlich keine endlosen Blutungen und endlich kein panisches Klo-suchen mehr. Die Operation sollte von der Scheide aus ohne Bauchschnitt durchgeführt werden. Ich stellte viele Fragen, die mir auch beantwortet wurden.


Am 7. März 1984 war es dann so weit und dann plötzlich ganz anders als geplant. Ich musste wegen Sickerblutungen innerhalb von 24 Stunden 2x nachoperiert werden. In den kurzen Zeiten, in denen ich aufgewacht bin, hatte ich wahnsinnige Schmerzen und ich spürte, wie ständig ein Schwall Blut aus mir heraus geronnen ist. Dann bin ich wieder weggekippt. Einmal wurde ich noch munter, ein Arzt ist neben mir gestanden und hat mir gesagt, dass der Primarius auf dem Weg ist. Er wollte mich beruhigen. Ich habe seine Aufregung gemerkt, wusste aber selber, dass etwas Gravierendes nicht stimmt und sagte zu ihm, schon wieder im Wegkippen: Das geht sich nicht aus. Ich hatte dann einen Herzstillstand.


Bei der 2. Nachoperation wegen wiederholter Sickerblutungen wurde die Bauchhöhle eröffnet und beide Eierstöcke entfernt (alles von der Scheide aus, was ein Wahnsinn ist). In dieser Notoperation wurde außerdem die Lymphbahn des linken Beins durchtrennt. Das erfuhr ich vom Primarius erst später. Von den Folgen hatte ich keine Ahnung. Es wurde mir ein Retalonimplantat eingesetzt, das meinen Hormonhaushalt für ein halbes Jahr regeln sollte. Nach diesem halben Jahr begann der Wahnsinn.
Ärzte meinten, für Hormone bin ich zu jung (damals wusste man noch nichts). Mein linkes Bein ist vom Wasser dick angeschwollen, ich hatte ziemliche Schmerzen. Mein Sexualleben war auch massiv beeinträchtigt. Schon die Behandlung im Spital war so demütigend. Das hab ich sogar in meine kurzen Wachphasen zwischen den OPs neben den Schmerzen empfunden. Aufgehängt wie ein geschlachtetes Schwein mit gespreizten Beinen. Später wurde immer wieder in mir unter noch größeren Schmerzen herumgestochert, um die Blutung doch noch anders zu stillen als durch eine weitere OP.


Ich empfinde diese Tortur bis heute einer Vergewaltigung sehr ähnlich. Obwohl ich einen sehr verständnisvollen und liebevollen Mann habe, sind die Folgen der OP für unsere Beziehung belastend gewesen. Ganz wichtig war für uns beide, dass ich mühsam darüber sprechen gelernt habe. Zum Glück kann ich das mit meinem Mann. Trotzdem fühlte ich mich nur wund und selbst nach Jahren, wo ich erstaunt und erfreut feststellte, dass meine Empfindungsfähigkeit im Genitalbereich nicht beschädigt wurde, sitzt eine tiefe Angst vor verwundet werden in mir.


Wieder zurück in die Vergangenheit: Nach 6 Jahren durch die Hölle ging ich zur Gesundenuntersuchung. Der dortige Arzt war entsetzt, dass mir keine Ersatzhormone gegeben und keine Knochendichtemessung veranlasst wurde. Also wieder zu Ärzten, vor denen mir inzwischen gegraust hat. Jeder sagte was anderes. Die Knochendichtemessung ergab, dass ich Knochen wie eine 80-Jährige habe und dass akute Bruchgefahr bestand. Da wurde ich dann mit Hormonen vollgepumpt. Aussage: Nur das hilft und man muss alles versuchen! Von 57 Kilo kam ich innerhalb eine Jahres auf 75.


Im Lauf der Zeit wurden mir - ich war damals noch so brav und folgsam - sehr viele Hormonpräparate verpasst. Keines hatte Einfluss auf meine Knochen, sehr wohl in rasanter Weise auf mein Gewicht, was mich sehr unglücklich gemacht hat.
Damit kämpfe ich bis heute.


Die sonstigen Beschwerden (Schlafstörungen, Wallungen, Hypernervosität, Depression, plötzlich hoher Blutdruck, Weinkrämpfe, Zittern, Gliederschmerzen, ....) wurden nur unwesentlich gemildert. Nur das Gewicht hat sich weiter verändert, ich schwanke bis heute zwischen 83 und 87 Kilo und es ist nicht runterzukriegen. Erst das eigenmächtige Absetzen der Hormone vor 5 Jahren und der Besuch bei einer Homöopathin, sowie die Einnahme von Sepiakugeln (Tinte vom Tintenfisch) über ein Jahr hinweg brachte mir Erleichterung und auch das seelische Gleichgewicht ist wieder besser. Ich habe inzwischen eine 15 jährige Osteoporose, die mir seit 2 Jahren chronische Schmerzen bereitet. Ich kann an manchen Tagen kaum aufstehen und jedes Gelenk und die Röhrenknochen tun sehr weh. In der Früh merk ich schon, ob es ein guter Tag wird oder ein schlechter. Seit vorigem Jahr habe ich immer wieder sehr heftige Schmerzattacken, bei denen ich keine Luft bekomme und mich gar nicht bewegen kann. Das hatte auch schon Stürze zur Folge. Vor denen habe ich Angst - vor einem Wirbelbruch. Bei solchen Schmerzattacken bin ich dann hier im Krankenhaus, auf der akutgeriatrischen Tagstation bei einer Schmerztherapie gut aufgehoben.


Im Vorjahr war ich zum erste Mal auf Kur. Dort wurden mir von 7,30 Früh bis 15,30 am Nachmittag Therapien und Anleitungen zur Selbsthilfe verpasst, was mir sehr gut getan hat. Ich bin mit meinen Befunden und dem Stadium der Osteoporose in meinem Alter bei jedem Arzt der bunte Hund, der ungewollt Aufmerksamkeit erregt und was mir immer unangenehm war. Inzwischen steh ich dem schon gelassener gegenüber.


Im März heurigen Jahres war ich wieder auf Schmerztherapie. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. In meinem linken Bein (durchtrennte Lymphbahn) hat sich im Lauf der Jahre eine schmerzhafte Krampfader gebildet, die 1998 mittels Venenstripping wieder fast schmerzfrei ist. Das Bein selbst ist immer noch schlechter als das rechte. Es ist manchmal taub, manchmal geschwollen, manchmal hinke ich. Tagtäglich spüre ich Folgen der operativen Eingriffe, die mich z.B. hindern, aus Angst vor Verletzungen in meinem Bauch, eine Darmspiegelung machen zu lassen. Meine Mutter ist an Darm- und Eierstockkrebs gestorben. Dieses Risiko, an Darmkrebs zu erkranken schätze ich als geringer ein als die Möglichkeit einer inneren Verletzung in meinem innerlich stark vernarbten Bauch. Oder, ich nehme seit Jahren aufgrund heftigen Bedrängens meiner Neurologin Antidepressiva ein. Ich vertrage sie auch gut, sie helfen auch. Meiner damaligen Selbstüberschätzung (ich schaffe das auch so), hat sie mit den Worten: "Das ist bei Ihrer Geschichte eine Illusion. Sie brauchen medikamentöse Unterstützung!" ein Ende gesetzt. Mühsam habe ich gelernt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine nur teilweise angenehme Folge der OP ist mein Energiepegel.  Der ist seit damals meistens auf 200%, das genieße ich auch, aber nicht immer. Für meine Mitmenschen und meinen Körper ist das zeitweise sehr anstrengend. Die Mitmenschen überfordert es manchmal und mein Körper fühlt sich zeitweise an wie ein Puch 500er mit einem Porschemotor:  Das Hupferl liegt schon scheppernd auf dem Dach und die Räder rennen immer noch auf Hochtouren. Ich gehe sehr gern viel zu Fuß und da rennen die Füße dahin, meine Lunge japst nur mehr nach Luft. Das entlockt mir aber nur ein Lächeln und dann schalte ich halt einen Gang zurück. Mein Mann meinte unlängst, als er von einem Anfall von Frühjahrsmüdigkeit befallen war: "Statistisch sind wir gut. Du hast 200% Energie, ich Null. Im Schnitt hat jeder Hundert. Passt doch!"

 

Mein wichtigstes Lebensmotto ist das Wort „TROTZDEM“ geworden. Ein weiteres:„Aufgeben tu ich nur einen Brief!“ Oder: „Hinfallen - passiert. Wieder aufstehen ist wichtig!“ Daran möchte ich auch festhalten.