Die weibliche sexuelle Dysfunktion („female sexual dysfunction“, FSD) ist ein weit verbreitetes Leiden mit einer Prävalenz in Deutschland von etwa 38%. Störungen der weiblichen Sexualität betreffen bleibende oder wiederkehrende Beeinträchtigungen der Libido, der subjektiven und genitalen Erregung, der Orgasmusfähigkeit und koital verursachte Schmerzen.
In den letzten Jahrzehnten haben sich das Wissen und die Kenntnisse auf dem Gebiet der weiblichen Sexualität immens erweitert. Seit 2003 liegt eine neue FSD-Klassifizierung, basierend auf den Empfehlungen der „International Consensus Development Conference on Female Sexual Dysfunction“, vor. Dabei werden erstmals auch Wechselwirkungen zwischen einzelnen Bereichen berücksichtigt. Auf der Grundlage dieses Modells werden im vorliegenden Beitrag die verschiedenen Formen der sexuellen Dysfunktion bei Frauen besprochen. Nach Lektüre des Artikels wird der Leser in der Lage sein, die FSD zu diagnostizieren und zu klassifizieren sowie entsprechende Therapiemaßnahmen einzuleiten.
Seit Kinsey [23], Masters u. Johnson [27] und Bancroft [1] hat sich in den letzten Jahren ein gewaltiger Fortschritt in der Erforschung der Sexualität ergeben. In Anlehnung an die von Masters u. Johnson [27] beschriebenen 4 Phasen des 7 weiblichen sexuellen Reaktionszyklus (Appetenz, Erregung, Orgasmus, Entspannung) entwickelte Kaplan [22] 1979 ein 3-Phasen-Konzept. Beide Modelle waren jedoch linear. 1999 erarbeitete die „International Consensus Development Conference on Female Sexual Dysfunction“, eine Gruppe von 19 Experten aus 5 verschiedenen Ländern, unter der Schirmherrschaft der „Sexual Health Council of the American Foundation for Urologic Disease“ ein neues Klassifizierungsmodell basierend auf den bestehenden Einteilungen der „International Classification of Diseases - 10“ und dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“,
welches aus 5 Punkten bestand. 2003 stellte das Komitee eine überarbeitete Version der Klassifizierung der FSD („female sexual dysfunction“) vor. Erstmals wurde damit ein zirkuläres Modell der weiblichen Sexualität entwickelt, welches den Interferenzen innerhalb der einzelnen Bereiche gerecht wurde (. Abb. 1).
Diese von der „International Consensus Development Conference on Female Sexual Dysfunction“ entwickelte und empfohlene Klassifizierung [2, 3] liegt auch dem vorliegenden Beitrag zugrunde, in welchem ein Überblick über die aktuellen Definitionen der verschiedenen sexuellen Dysfunktionen von Frauen mit besonderem Focus auf deren Entstehung, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten gegeben wird.
Epidemiologie
Der „National Health and Social Life Survey“ beschrieb die Prävalenz der FSD mit 43% in der Altersgruppe 18-59 Jahre: Eine 7 Libidostörung hatten 22% der Frauen, eine 7 Erregungsstörung 14%, eine Dyspareunie 7% und 7 Orgasmusstörungen etwa 25% [25]. Eine Matched-Pairs-Studie mit 128 Probandinnen von Rosen et al. [37], in der der FSFI („female sexual function index“) als standardisiertes Messinstrument entwickelt wurde, berichtete eine Prävalenz der FSD von 43% im Alter von 21-70 Jahren. Diese Daten decken sich mit den mittels „20.000 Cologne Community Survey“ erhobenen Daten, in welchem deutsche Frauen im Alter von 20-80 Jahren bezüglich ihrer Sexualität untersucht wurden. Hierbei zeigte sich eine Prävalenz der FSD in Deutschland von insgesamt 38%, welche sich mit steigendem Alter als progredient erwies. Die „Global Study of Sexual Attitudes and Behaviours“, eine telefonische Umfrage in Schweden, Belgien, Großbritannien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien und Italien (n=5023 Frauen), beschrieb eine Libidostörung bei 18% der Frauen, 13% waren nicht in der Lage, einen Orgasmus zu erleben, und 11% hatten sexuelle Probleme. 32% der Frauen litten unter einer FSD, und 26% hatten einen Arzt konsultiert [31]. In Deutschland bezifferten Moreira et al. [29] (n=750) die Prävalenz einer Libidostörung mit 18%, den unzufrieden stellenden Geschlechtsverkehr mit 14% und 7 Lubrikationsstörungen mit 13% [29]. Eine türkische Studie (n=518, 18-55 Jahre) zeigte eine Prävalenz der FSD von 48,3%. 35,9% der Frauen litten unter einer Erregungsstörung, 40,9% unter Lubrikations-, 42,7% unter Orgasmusproblemen und 42,9% unter 7 Schmerzen beim Geschlechtsverkehr [33].
Die sexuelle Dysfunktion der Frau ist ein weit verbreitetes Leiden mit einer Prävalenz zwischen 22 und 49%. In Europa steigt die HSDD („hypoactive sexual desire disorder“) mit dem Alter signifikant an. So sind 11% der Frauen im Alter von 20-29 Jahren betroffen verglichen mit 53% der Frauen im Alter von 60-70 Jahren. Die generelle Prävalenz der HSDD ist mit zwischen 6 und 13% anzugeben [21]. 10-15% der fertilen, sexuell aktiven und etwa 39% der postmenopausalen Frauen sind von einer Dyspareunie betroffen, während etwa 1% der Frauen unter Vaginismus leiden. 12-45% sind von einer Orgasmus-, 7-72% von einer Erregungs- und 15-23% von einer Lubrikations Lubrikationsstörung betroffen [17].
Störungen der Libido und der Erregung
Definition
„Hypoactive sexual desire disorder“ (HSDD)
Es handelt sich um ein persistierendes oder wiederkehrendes Defizit (oder Fehlen) von sexuellen Fantasien/Gedanken und/oder Interesse an sexueller Aktivität, welches 7 Leidensdruck oder 7 zwischenmenschliche Schwierigkeiten verursacht.
Typisch sind:
F fehlende oder verminderte Gefühle von sexuellem Interesse oder Begehren,F fehlende sexuelle Gedanken oder Fantasien undF eine fehlende reaktive Libido (im Sinn eines nicht Ansprechens auf sexuelle Aktivität). Die Motivation, sich auf sexuelle Erregung einzulassen bzw. diese zuzulassen, ist nicht vorhanden. Dieses fehlende Interesse ist jenseits einer innerhalb der Norm positionierten Erniedrigung der Libido aufgrund des Lebenszyklus und der Dauer einer Partnerschaft. Jede dieser Diagnosen lässt sich unterteilen in [2, 3]:
F A: lebenslang vs. erworbenF B: generalisiert vs. situationsabhängigF C: nach dem ätiologischen Hintergrund: organisch vs. psychogen vs. gemischt vs. unbekannt „Sexual aversion disorder“ Hiermit wird eine persistierende oder wiederkehrende 7 extreme Aversion und/oder 7 Ängstlichkeit gegenüber jeglicher sexueller Aktivität bzw. sexuellem Kontakt mit einem Sexualpartner, was der betroffenen Person Leidensdruck verursacht, beschrieben.
„Female sexual arousal disorder“ (FSAD)
Es handelt sich um eine persistierende oder wiederkehrende Unfähigkeit, während sexueller Aktivität eine adäquate genitale Reaktion, welche eine sexuelle Erregung anzeigt (Lubrikation, Schwellung des Genitales), zu erreichen und/oder bis zur Beendigung der sexuellen Aktivität zu erhalten. Die FSAD wird in 3 Subtypen eingeteilt. „Subjective sexual arousal disorder“. Das Gefühl von sexueller Erregung (sexuelle Aufregung und sexuelles Vergnügen) ist bei jeglicher Art von sexueller Stimulierung deutlich reduziert oder gar nicht vorhanden. Vaginale Lubrikation oder andere Anzeichen einer physischen Reaktion bestehen weiterhin „Genital sexual arousal disorder“. Die genitale sexuelle Erregung fehlt oder ist deutlich reduziert (z. B. fehlende Schwellung des Genitales, reduzierte sexuelle Sensation durch eine taktile Stimulierung des Genitales). Die Stimulierung der sexuellen Erregung durch nicht genitale sexuelle Stimuli erfolgt weiterhin.
„Combined genital and subjective arousal disorder“. Sie ist charakterisiert durch ein fehlendes oder deutlich reduziertes Gefühl von sexueller Erregung (sexuelle Erregung und sexuelles Vergnügen) bei jeder Art von sexueller Stimulierung in Kombination mit fehlender oder 7 reduzierter genitaler sexueller Erregung (Schwellung der Vulva, Lubrikation).
„Persistent sexual arousal disorder“
Hierbei handelt es sich um spontane, störende und 7 ungewollte genitale Erregung (z. B. Pulsieren, Prickeln) bei abwesendem sexuellem Interesse und Begehren. Die Erregung wird durch einen oder mehrere Orgasmen nicht gelindert und persistiert über Stunden bis Tage.
Resümee
Eine Libido- und Erregungsstörung treten häufig gemeinsam auf. Eine Störung des sexuellen Begehrens, welche mitunter die am häufigsten von Frauen beschriebene Sexualstörung ist, führt häufig auch zu einer Beeinträchtigung der sexuellen Erregung und damit zu einer Orgasmusstörung. Ein Orgasmus ist ohne sexuelle Erregung nicht möglich. Ebenso kann eine Lubrikationsstörung zu Dyspareunie und damit ebenfalls zu einer Orgasmusstörung führen.
Ätiologie
Hormone
Androgene steuern:
F das Wohlbefinden,F die Stimmung,F die Energie,F die Libido,F die Motivation,F die Aggressivität,F die Knochendichte,F das Haarwachstum,F die Muskelmasse undF den Schlaf [30]. Ihre genaue Funktion in Bezug auf die weibliche Sexualität wird jedoch kontrovers diskutiert. Eine ovarielle Dysfunktion und Dysbalancen der Sexualhormone sind mit reduziertem sexuellem Begehren
und Störungen der sexuellen Erregung assoziiert [14]. Diese können endogen oder iatrogen verursacht werden. Die 7 Menopause ist durch die reduzierte ovarielle Funktion mit resultierenden erniedrigten Östrogen- und Androgenspiegeln ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung einer FSD. Die Ovarien produzieren bei einer prämenopausalen Frau etwa die Hälfte des zirkulierenden Testosterons. Studien implizierten den negativen Einfluss der chirurgischen Menopause mittels 7 Ovarektomie besonders in jüngeren Jahren als schwerwiegender bei der Entwicklung einer FSD als den Einfluss der natürlichen Menopause (. Tab. 1, [6, 26]).
Östrogene und Androgene sind bei Frauen für den Erhalt der vaginalen Struktur und Funktion notwendig, daher kann ein Mangel dieser Steroidhormone zu einer Störung der genitalen sexuellen Erregung, der Lubrikation und damit verbunden zu einer Dyspareunie führen. Androgenmangel zeigt bei Frauen einen negativen Einfluss auf die Libido und Erregung sowie im Allgemeinen auf die Stimmung. Jedoch sprachen Frauen in Studien individuell auf Androgene an mit großen interindividuellen
Unterschieden [1, 14]. Da Androgene zu Östrogenen aromatisiert werden, kann eine Östrogenbehandlung
die Androgenproduktion supprimieren.
Sexualhormone werden an das „SHBG“, das Sexhormon bindende Globulin, gebunden. Je höher der Plasmaspiegel des SHBG, desto niedriger ist der Anteil der bioverfügbaren Sexualhormone [5, 14]. Ein wichtiger Risikofaktor ist in diesem Zusammenhang die orale Kontrazeption, welche zu ei ner Erhöhung des SHBG-Plasmaspiegels und somit einer Reduktion des freien, wirksamen Testosterons führt [34]. Neuere Studien implizierten hierbei die Unterscheidung in „testosteronsensible“ und „testosteronunsensible“ Frauen [16].
Ein genereller Level des freien Testosterons, welcher nicht unterschritten werden sollte, ist momentan nicht festzulegen. Eine Patientin, welche bei niedrigen Androgenspiegeln klinische Symptome eines Androgenmangels zeigt, wird eher von der Therapie profitieren, als eine Frau, die trotz Androgenmangels symptomfrei ist. Eine eindeutig klassifizierbare Beziehung zwischen endogenen Androgenen und der weiblichen Sexualität ließ sich bisher jedoch nicht darstellen [7, 12, 19, 39]. Signifikant auf die Reduktion der sexuellen Motivation und Funktion wirkt sich eine 7 Hyperprolaktinämie aus.
Rolle des Gesundheitsstatus
Antipsychotische und neuroleptische Medikamente können über eine 7 sekundäre Hyperprolaktinämie einen negativen Impact auf die Sexualfunktion ausüben [29]. Die Veränderung der Neurotransmitter- oder Hormonlevel durch serotonerge (z. B. selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer) und antiadrenerge Pharmaka (z. B. β-Blocker) sowie selektive Östrogenrezeptormodulatoren ist ebenfalls mit einer Störung der Libido und Erregung assoziiert. Auch vielfältige onkologische Erkrankungen und deren Therapie (z. B. Östrogenentzug bei Mammakarzinom) können zu einer sexuellen Funktionsstörung führen [15]. Chronische Erkrankungen (z. B. Schmerzsyndrome, Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.) sind wichtige Faktoren für die Entstehung einer FSD. So zeigt sich bei Diabetespatientinnen (Typ II eher als Typ I) durch die hieraus resultierende Neuropathie, vaskuläre Schädigung und die psychosozialen Probleme eine Störung aller Bereiche der Sexualität. Am häufigsten
jedoch sind diese Frauen von einer Erregungsstörung und einer inadäquaten Lubrikation betroffen [30]. Auch der Einfluss des generellen Gesundheitsstatus, die körperliche und geistige Versehrtheit sollten in diesem Kontext beachtet werden. Die 7 körperliche Aktivität scheint eine Rolle als Vorhersagewert für das sexuelle Wohlbefinden von Frauen zu spielen [6, 12].
Psychosoziale Faktoren
Sie spielen bei der Entwicklung von weiblichen Sexualstörungen ebenso wie biologische Faktoren eine Rolle (. Tab. 2). Die Überzeugung und Einstellung beeinflussen die Sexualität, die Libido und die sexuelle Reaktion unser ganzes Leben lang. Frauen, die eine passive Geschlechterrolle oder eine negative Wahrnehmung der Sexualität internalisiert haben, haben ein großes Risiko der Entwicklung einer Sexualstörung [32, 38]. Grundlage für eine erfüllte sexuelle Beziehung zwischen 2 Menschen ist die 7 intakte Gefühlsebene. Störungen derselben führen zu Sexualproblemen. Eine Frau, welche insuffizient stimuliert wird und dies dem Partner nicht anvertraut, wird eher eine sexuelle Unlust oder Erregungsstörung zeigen als eine Frau, welche die für sie individuell erfüllende sexuelle Stimulierung erhält. In der FEMALES-Studie konnte der signifikante negative Einfluss der erektilen Dysfunktion (ED) des männlichen Partners auf die weibliche Sexualität gezeigt werden. Der positive
Einfluss der medikamentösen Therapie der ED auf die sexuelle Funktion der Partnerin konnte ebenfalls dargelegt werden [11, 13].
ziehen, sind weibliche Ängste im Bereich der 7 körperlichen sexuellen Attraktivität angesiedelt. Das7 Selbstbewusstsein bezüglich der Körperwahrnehmung und der sexuellen Attraktivität entscheidet bei einer Frau über das sexuelle Selbstbewusstsein und die sexuelle Funktion [8, 44]. Bei Frauen, die als Kind sexuell missbraucht wurden, besteht ein deutlicher, negativer Einfluss auf die Sexualität verbunden mit einem höheren Level an persönlich empfundenem Leidensdruck. Ein Einfluss auf die Domänen des FSFI konnte nicht dargelegt werden [36]. Störungen des Orgasmus („orgasmic disorder“)
Definition
Es handelt sich um die persistierende oder wiederkehrende Schwierigkeit, die Verzögerung oder das Unvermögen, einen Orgasmus nach suffizienter sexueller Stimulierung und Erregung zu erreichen, was der betroffenen Person Leidensdruck verursacht. Dies mag ein primärer (noch nie einen Orgasmus erreicht) oder sekundärer Zustand als Folge von chirurgischen Eingriffen, Traumen, hormonellen Defiziten usw. sein. Jede dieser Diagnosen lässt sich unterteilen in [2, 3]:
F A: lebenslang vs. erworbenF B: generalisiert vs. situationsabhängigF C: nach dem ätiologischen Hintergrund: organisch vs. psychogen vs. gemischt vs. Unbekannt
Ätiologie
Während des Orgasmus kommt es zu einer 7 zerebralen Aktivitätssteigerung im paraventrikulären Nukleus des Hypothalamus, in der Substantia grisea periaqueductalis im Mittelhirn, im Hippocampus und im Zerebellum. Studien ergaben, dass Schädigungen des Rückenmarks im Sakralbereich, welche zu einer Störung des Sakralreflexes führen, mit einer Orgasmusstörung assoziiert sind [41]. Besonders die langsamen C-Fasern werden durch eine 7 Neuropathie geschädigt [29]. Bei einer Läsion des unteren Motoneurons mit Schädigung S2-S5 wurde eine signifikante Orgasmusstörung beobachtet.
Ein intakter Sakralreflexbogen ist somit Voraussetzung für das ungestörte Erreichen eines Orgasmus. Aufgrund einer Innervierung der Cervix uteri durch den N. vagus oder/und das autonome Nervensystem kann die Orgasmusfähigkeit jedoch trotz einer Rückenmarkschädigung partiell erhalten sein [43]. Durch die 7 Hysterektomie (ohne Zervixbelassung) kann es, durch den Verlust des uterovaginalen Plexus, zu Orgasmusstörungen kommen. Frauen, die an 7 multipler Sklerose erkrankt waren, litten am häufigsten unter einer Hypo- oder Anorgasmie, gefolgt von reduzierter vaginaler Lubrikation und Libido. In den elektrodiagnostischen Daten bei MS-Patientinnen zeigte sich, dass eine somatosensorische Innervation durch den N. pudendus für eine intakte Orgasmusfunktion unerlässlich ist [30].
Pharmaka, welche die serotonerge Aktivität erhöhen (SSRI) oder die dopaminerge Aktivität senken (Antipsychotika), führen zu Orgasmusschwierigkeiten. Die Schwere der Beeinflussung scheint vom Subtyp des Serotoninrezeptors abzuhängen [10]. Einen negativen Impact auf die Orgasmusfähigkeiten zeigen neben antipsychotischen und neuroleptischen Medikamenten auch antihistaminerge Substanzen. Dieser Effekt lässt sich partiell durch eine sekundäre Hyperprolaktinämie erklären [30]. Auch bei Frauen mit einer Störung der 7 Schilddrüsenfunktion ist die Orgasmusfähigkeit eingeschränkt. Wenige Daten existieren zu zerebrovaskulären Störungen. In einer prospektiven Studie mit 12 Frauen im Alter von 32-65 Jahren fanden sich nach einem 7 Schlaganfall eine erschwerte vaginale Lubrikation und eine reduzierte Fähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen [24]. Wie bereits erwähnt, können die bereits genannten Umstände, die zu einer Beeinträchtigung der Libido oder/und der sexuellen Erregung führen, auch die Orgasmusfähigkeit beeinträchtigen.
Koitale Schmerzen („sexual pain disorder“)
Definition
7 Dyspareunie bedeutet bleibende oder wiederkehrende genitale Schmerzen, welche durch eine leichtgradige oder komplette vaginale Penetration und/oder penilen vaginalen Geschlechtsverkehr verursacht werden. 7 Vaginismus führt zu bleibenden Schwierigkeiten, eine vaginale Penetration trotz des bestehenden Wunsches, dies zu tun, zu erlauben. Es bestehen variable, unwillkürliche Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur, in Vermeidungsverhalten der Betroffenen und Schmerzen. Strukturelle oder andere physische Abnormalitäten sind ausgeschlossen. Jde dieser Diagnosen lässt sich unterteilen in [2, 3]:
F A: lebenslang vs. erworbenF B: generalisiert vs. situationsabhängigF C: nach dem ätiologischen Hintergrund: organisch vs. psychogen vs. gemischt vs. unbekannt
Zur genaueren Einteilung der Diagnose in den Kontext der relevanten ätiologischen Betrachtungen bietet die neue FSD-Klassifizierung 3 Beschreibungen an:
F Negative Verluste/Traumen/Erinnerungen (physisch, sexuell, emotional), vergangene zwischenmenschliche
Beziehungen, kulturelle/religiöse RestriktionenF Bestehende zwischenmenschliche Schwierigkeiten, sexuelle Dysfunktion des Partners.
Störungen der Libido und Erregung
Bei ihnen können die 7 kognitive Verhaltenstherapie oder eine Sexualtherapie hilfreich sein. Empirische S
udien zur Wirksamkeit sind limitiert [4]. Eine 7 mediterrane Diät hat einen deutlichen positiven
Einfluss auf die Sexualfunktion bei Frauen, welche unter dem metabolischen Syndrom leiden [9]. Eine mechanische Hilfe bei HSDD stellt das so genannte „EROS“ dar, eine mechanische Saugpumpe.
Durch die Vasokongestion der Klitoris kommt es zu einer Verbesserung der Erregung, der vaginalen Lubrikation, des Orgasmus und der allgemeinen sexuellen Zufriedenheit. Die EROS-Therapie
ist FDA geprüft (Infobox 1, [28]).
Unter 7 Bupropion (NDRI) zeigte sich eine Verbesserung des sexuellen Interesses und der Erregung
bei prämenopausalen Frauen. Auch 7 Apomorphin hatte einen positiven Einfluss auf die Erregung
und die Libido bei prämenopausalen Patientinnen. Studien wiesen auf die dopaminerge Steuerung
der sexuellen Erregung hin [28].
Erfolg versprechend scheint bei hormonellen Störungen (Androgeninsuffizienz im Besonderen) die Androgensubstitution zu sein. Selbst bei Frauen mit normwertigen Östrogen- und Androgenspiegeln
im unteren Viertel der physiologischen Referenzbereiche zeigte die Androgenelevation in die obere Hälfte des Normbereichs Verbesserungen im Bereich der Libido, Erregung und auch bei Orgasmusstörungen. Seit die transdermale Testosteronapplikation (30 mg, Intrinsa®) für Frauen für Europa zugelassen wurde, ist neben der Gabe von 50 mg Dihydroepiandrosteron (DHEA) eine spezifische
Medikation möglich. Vor und auch während der medikamentösen Therapie sollten eine Mammaexamination,
ggf. Mammographie, sowie eine Überprüfung des kleinen Blutbilds mit Leberfunktion
und Lipidprofilkontrolle erfolgen. Kontraindikationen der Androgensubstitution sind androgene Alopezie, Seborrhö, Akne, Hirsutismus und polyzystische Ovarien.
7 Östrogen- und Progesteronsubstitution können eine Libido- bzw. Erregungsstörung im Allgemeinen
durch die Verbesserung von Wohlbefinden und sexueller Motivation und im Besonderen
bei vulvovaginaler Atrophie aufgrund eines lokalen Östrogenmangels verbessern, sollten jedoch in der niedrigstmöglichen Dosierung und über den kürzestmöglichen Zeitraum substituiert werden
[4]. Besonders bei chirurgisch-induzierter Menopause aufgrund einer bilateralen Ovarektomie zeigt sich bei einer kombinierten Androgen-Östrogen-Substitution eine Verbesserung der sexuel7
Stimulierung und unbefriedigende sexuelle und emotionale BeziehungenF Medizinische Konditionen, psychiatrische Konditionen, Medikation, Substanzenabhängigkeit
len Erregung, der Libido, sexueller Fantasien und der Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und Orgasmen
[30]. Unter und nach der Östrogensubstitution besteht ein erhöhtes Risiko einer Hyperplasie
des Endometriums, der Entwicklung eines Adenokarzinoms, das Risiko einer Thrombose sowie eines kardiovaskulären Zwischenfalls [4]. Es scheint, dass die Substitution während der symptomatischen
perimenopausalen Phase einen weitaus größeren Benefit als in der Postmenopause zeigt. Eine
orale systemische Langzeittherapie mit Östrogenen ist bei postmenopausalen Frauen zu keinem Zeitpunkt zu empfehlen.
http://www.springerlink.com/content/c7x52388244j76k4/fulltext.pdf
Menopause and sexuality: Prevalence of symptoms and impact on quality of life
Maturitas, Volume 63, Issue 2, Pages 138-141
R. Nappi, M. Lachowsky
This article aims to summarise the available knowledge on the prevalence of sexual symptoms at the menopause and their impact on quality of life in elderly women. Sexual changes are analysed in the context of the menopause transition and beyond.
Methods
The medical literature was searched (1990-2008) with regard to menopause and sexuality using several related terms.
Results
The prevalence of sexual symptoms at the menopause differs across studies depending on several factors such as sample size, design, hormonal status and country. The most common sexual complaints are reduced sexual desire, vaginal dryness and dyspareunia, poor arousal and orgasm and impaired sexual satisfaction. Age and declining oestradiol levels have significant detrimental effects on sexual functioning, desire and responsiveness (arousal, sexual pleasure and orgasm) across the normal menopause transition, while reduced androgens levels played a role in hypoactive sexual desire disorder (HSDD), a symptom frequently diagnosed in surgically menopausal women.
Conclusions
Women attending menopause clinics are vulnerable to female sexual dysfunction (FSD) because of a complex interplay of individual factors variably affecting well-being. Surgically menopausal women may be more distressed by sexual symptoms. Giving women the opportunity to talk about sexual problems is a fundamental part of health care and may improve their quality of life.
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Copyright © 2009 Elsevier B.V. All rights reserved.
http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0378512209001108
Volume 63, Issue 2, Pages 116-118 (20 June 2009)
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Female sexual dysfunctions: Definitions and classification
Volume 63, Issue 2, Pages 116-118 (20 June 2009)
Sylvain Mimouna, Kevan Wylieb
Received 26 January 2009; received in revised form 20 April 2009; accepted 20 April 2009. published online 13 May 2009.
Abstract
Female sexuality is complex and a variety of schemes have evolved to attempt the definition and categorization of the various kinds of female sexual dysfunction. This paper reviews some of the current systems of classification and describes how understanding these systems can help the physician in evaluating the individual patient, who may present with overlapping features of several co-morbid sexual dysfunctions.
Keywords: Dyspareunia, Female arousal disorder, Female sexual dysfunction, Hypoactive sexual desire disorder
a Unit of Psychosomatic Gynecology, Department of Obstetrics and Gynecology, Robert Debré Hospital, 48 Boulevard Serurier, 75019 Paris, France
b Porterbrook Clinic, Sheffield, UK
Corresponding author. Tel.: +33 148784688.
PII: S0378-5122(09)00128-5
doi:10.1016/j.maturitas.2009.04.003
© 2009 Published by Elsevier Inc.
http://www.maturitas.org/article/S0378-5122(09)00128-5/abstract
Patient scenario: A 53-year-old woman with hypoactive sexual desire disorder
Santiago Palaciosa, Alessandra Graziottin
Volume 63, Issue 2, Pages 164-168 (20 June 2009)
Received 23 January 2009; received in revised form 30 April 2009; accepted 1 May 2009. published online 25 May 2009.
Abstract
Objective
To provide an expert review of the clinical management of hypoactive sexual desire disorder.
Method
The importance of diagnosing and providing therapeutic management for hypoactive sexual desire disorder will be explained with a case scenario which is resolved by drawing on original trial publications and meta-analyses published in English.
Results
Hypoactive sexual desire disorder (HSDD) is highly prevalent (9-16%) and has a strong impact on the quality of life of both women and their partners. Medical and sexual history, physical and laboratory examinations as well as validated questionnaires will help us make an accurate diagnosis. Treatment should begin by focusing on lifestyle and psychosexual therapy. Women randomized to oestrogen-testosterone transdermal patch combination or testosterone transdermal patch alone reported significantly increased frequency of satisfying sexual activity (p<0.05). Hormonal treatment with oestrogen and testosterone or with testosterone alone should be personalised, as should follow-up.
Conclusions
Guidelines for the medical management of hypoactive sexual desire disorder are now available and this starts by understanding the importance of this disorder and knowing that accurate diagnosis and treatment options exist.
Keywords: Female sexual dysfunction, Hypoactive sexual desire disorder, Menopause, Psychosexual therapy, Testosterone
a Palacios Institute of Woman's Health, Antonio Acuña, 9, 28009 Madrid, Spain
b Centre of Gynaecology and Medical Sexology, H. San Raffaele Resnati, Via S. Croce 10/A, Milan, Italy
Corresponding author. Tel.: +34 91 578 05 17; fax: +34 91 431 99 51
http://www.maturitas.org/article/S0378-5122(09)00148-0/abstract