KASTRATION
Heutzutage sagt man, eine Frau käme nach der Eierstockentnahme in die „Wechseljahre“!
Ende des 19. Jdths. war die Eierstockentfernung die CASTRATION und wurde von gewissen Ärzten als VERSTÜMMELNDE Operation definiert, mit schweren Auswirkungen auf Körper und Psyche. Dazu ein Auszug der Disseration aus dem Jahr 1893 des angehenden Doktors der Medizin, Paul v. Wichert, Seite 73
(nachzulesen unter folgender PDF Datei im Internet)
http://dspace.utlib.ee/dspace/bitstream/10062/6087/1/wichert_ueber.pdf
[i]... Es schneidet die Castration viel stärker in den gesammten Organismus der Frau ein ... und wir haben die verstümmelnde Wirkung viel eher anzuschlagen ...Während sich nach der Castration in der überwiegenden Fälle eine ständige gedrückte Stimmung bei den KRanken ausbildete, ja die Operation eine scheinbare Praedisposition für Psychosen setzte ... Auch an dem körperlichen Befinden liessen sich Beobachtungen anstellen, welche sehr zu Ungunsten der Castration sprachen, indem die castrirten Frauen alle klimakterischen Beschwerden bekamen ...
ANFANG DES 20. JHDTs. war es auch noch die KASTRATION, so wie es auch heute noch in Frankreich und anderen Ländern richtigerweise genannt wird! Und die Folgen kommen uns ja nicht unbekannt vor ….
EINFLÜSSE DER KASTRATION = ENTFERNUNG DER EIERSTÖCKE AUF DAS GESAMTE ENDOKRINE SYSTEM ( z. B: SCHILDDRÜSE)UND DAS NERVENSYSTEM WAR SCHON UM 1920 JEDEM GUTEN MEDIZINER BEKANNT!
Fachzeitschriftenbeitrag aus 1923
28. MAI I923
ORIGINALIEN.
ORGANISCHE ERKRANKUNGEN DES ZENTRALNERVENSYSTEMS UND IHRE BEZIEHUNGEN ZU VORAUSGEGANGENER OPERATIVER ENTFERNUNG ENDOKRINER DROSEN.
Von
Professor A. WESTPHAL,
Direktor der Provinzial-Heilanstalt sowie der Psychiatrischen und Nervenklinik Bonn.
....Besonders hebe ich Fälle hervor in denen nach operativer Kastration und Totalexstirpation des Uterus sich schnell das klassische Bild entwickelte, Beobachtungen, die umso bemerkenswerter sind, da von SEITZ (1. c.) eine Kastrationshypertrophie der Schilddrüse erwähnt wird, so daß nach diesen Autoren die Funktion der Schilddrüse durch den Eingriff der Kastration in verschiedenartiger Weise beeinfluBt werden kann. Die bisher mitgeteilten Erfahrungen erhalten nach manchen: Richtungen eine Erweiterung durch eine Arbeit aus jüngster Zeit yon K~4M~IERER und LORBER~), in welcher die groBe Mannigfaltigkeit der zerebralen Reizerscheinungen bei endokrinen Störungen der Genitalsphäre einer Analyse unterzogen und mit Recht auf die Bedeutung des Zwischenhirns für das Zustandekommen der betreffenden Symptomenkomplexe hingewiesen wird.
http://www.springerlink.com/content/g8187811651551m5/
http://www.springerlink.com/content/g8187811651551m5/fulltext.pdf
Man hat damals die Zustände der Frauen nach der KASTRATION beschrieben! Heute sagen die im deutschen Sprachraum doch tatsächlich „Wechseljahre“ ,bestenfalls „chirurgische Menopause“ - als ob eine Kastration jemals eine Menopause erlauben könnte! Das wusste man schon vor 100 Jahren! Der einzige Unterschied war, man hatte keine Hormonpräparate um diesen geschundenen Kreaturen zu helfen! Die landeten allesamt in der Psychiatrie- falls sie es überlebt haben!
Im 21. Jhdt daher die Kastrationsfolgen als Wechseljahre darzustellen ist einfach unglaublich!
AUS dem Lehrbuch der >Gynäkologie 1910
Otto Küstner, 4.Auflage 1910
Auch da war die Ovarektomie auch noch die Kastration - auch im deutschen Sprachraum und man riet eher davon ab, um Frauen nicht sinnlos zu verstümmeln!
..."Deshalb war man häufig auf verstümmelnde Operationen angewiesen. Hatte man einmal die Laparotomie gemacht, so war es das Einfachste, die Kastration vorzunehmen. Die Ovarien sind meist leicht zu erreichen, liegen naturgemäß neben dem Inversionstrichter. Die Atrophie des Uterus erfolgt, vielleicht kommt es später noch zur Spontanreinversion. Heutzutage würde man nicht mehr die Kastration wählen, lieber von dem einmal schon geöffneten Abdomen aus den Uterus exstirpieren, mit Zurücklassung wenigstens eines Ovariums."
http://www.med-serv.de/medizin-buch-gynaekologie-0-10-3.html
Es dürfte deshalb nicht verwundern, daß in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Millionen von "hysterischen" Frauen ohne viel Federlesens kastriert wurden - der hippokratische Eid wurde geradezu ins Gegenteil verkehrt. Besonders der französische Arzt und Gynäkologe Charcot war für die Entfernung gesunder Eierstöcke, zwecks Behandlung hysterischer Symptome, berüchtigt. Aber auch in den USA uferte die Entwicklung aus, nicht zuletzt bezüglich vieler Insassinnen von Irrenanstalten - noch 1906 klagte der amerikanische Arzt Ely van de Warker über die vielen Ärzte, die die Eierstockentfernung als "Operation von der Stange" praktizierten.....